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Was ist eigentlich Fantasy?

Die Welt der Fantasy ist von der unsrigen vollkommen verschieden. In ihr kann man die seltsamsten Wesen antreffen, und in ihr haben andere Gesetze Gültigkeit. Fantasy-Geschichten folgen häufig dem Prinzip der Heldenreise, auch „The Hero’s Journey“ genannt. Der Kulturforscher Joseph Campbell prägte diesen Begriff.

Der Held wird von der Tagwelt in die Nachtwelt berufen

Die Heldenreise beginnt in der Tagwelt, in der Welt des Bewussten und Rationalen. Der Held wird dann mit seiner Berufung, seinem „Call“ konfrontiert, der ihn aus dieser Tagwelt in eine unbekannte Nachtwelt ruft. Dieser Grenzüberschritt ist von zentraler Bedeutung in der Fantasy. Die Nachtwelt in die der Held eintritt, repräsentiert das Unbewusste und Fremde. Diesem muss er sich stellen, ein Kampf, der ihn in seinem Innersten herausfordert. Häufig sträubt sich der Held zunächst, in diese Welt einzutreten, die allerlei Gefahren birgt. Doch wenn er diese Reise erfolgreich bestreitet, kehrt er als veränderter und innerlich gereifter Mensch in seine gewohnte Umgebung zurück. Ein veranschaulichendes Beispiel ist Tolkiens „Der kleine Hobbit“. Die Hauptfigur Bilbo lebt ein gemütliches und geordnetes Leben im friedlichen, abgeschiedenen Auenland. Als er mit der Möglichkeit eines Abenteuers konfrontiert wird, lehnt er zunächst ab und ist geneigt, seinem ruhigen Leben in Beutelsend den Vorzug zu geben. Doch dann überwindet er sich und verlässt seine gewohnte Welt. In der Nachtwelt muss er sich Trollen, Orks und anderen gefährlichen Kreaturen stellen, gewinnt jedoch auch Freunde und entdeckt ungeahnte Stärke in sich. Er stellt sich nicht nur dem gefährlichen Drachen. Den wahren Kampf ficht er mit sich selbst aus, als er sich einem seiner Weggefährten stellen muss, der von der Gier überwältigt wurde. Diese Handlung erfordert viel Mut und geistige Stärke. Er ist innerlich gewachsen und kann nun wieder in die Tagwelt zurückkehren.

Fantasy ist nicht gleich Fantasy

Unter dem Überbegriff Fantasy findet sich auch die Unterordnung Phantastisches*. Phantastische Romane betonen den Grenzübertritt von der Tag- in die Nachtwelt dadurch, dass die Handlung in der normalen, uns bekannten Welt entsteht und sich später auf eine andere, geheimnisvolle Ebene zu verlagert, in der Fantasy-Gestalten auftreten können.

Eine weitere Kategorie ist die sogenannte Mystery. Mystery zeichnet sich vor allem durch inhaltliche Unterschiede zur traditionellen Fantasy aus: Sie spielt oft in einer zukünftigen Welt, die sich von der unsrigen durch technischen Fortschritt unterscheidet. Dadurch ist sie mit der Science Fiction verwandt. Doch die vorkommenden Figuren können sich auch magischer Mittel bedienen. Statt Trollen und Zauberern kommen meist Wesen wie Vampire und Elfen vor.

* Im Gegensatz zur Phantastik, die ein Überbegriff für literarische Welten jenseits des Realistischen ist.

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