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Shining von Stephen King – Rezension

Shining
Foto: Andrew Steinle, freeimages.com
Wenn man den Film bereits kennt, gewinnt das Leseerlebnis durch die Filmbilder noch an Intensität.

Auf den ersten Blick ähneln sich der Horrorroman von King und seine Kultverfilmung von Stanley Kubrick sehr. Die düstere, beklemmende Stimmung ist im Buch wie im Film von Anfang an präsent, nur dürftig vom Anschein der Normalität versteckt. Kings sprachliche Finesse ist beeindruckend, er beschwört ein nahezu klaustrophobisches Gefühl der Beengtheit herauf. Durch künstlerische Verdichtung der Sprache schafft er es, aus einer sehr reduzierten Handlung heraus eine gewaltige Spannung aufzubauen, die sich durch kleine Entladungen nicht etwa reduziert, sondern noch weiter steigert. Dieses Spiel von Steigerung, Verzögerung und erneuter Steigerung treibt er auf die Spitze. Dabei verwundert es nicht, dass der eigentliche Höhepunkt wenig Neues zu bieten hat, die wahre Spannung liegt im langsamen Aufbau begründet.
Dass man von Anfang an das Ende durch die Augen des kleinen Danny sieht, tut der Spannung keinen Abbruch – im Gegenteil.
Die Verfilmung übersetzt die Dichte und Beengtheit in der Abgeschiedenheit des Berghotels auf ihre ganz eigene Weise, mit einer surrealen Bildsprache, die Kings Ausdruck sehr gut einfängt und stellenweise sogar übertrifft. Gerade wenn man den Film bereits kennt, gewinnt das Leseerlebnis durch die Filmbilder noch an Intensität.

Jack wird seiner Schuld entbunden.

Doch an einem entscheidenden Punkt weichen sie voneinader ab. King bemüht in seinen Büchern immer wieder das Bild von einem verwunschenen, bösen Ort (Friedhof der Kuscheltiere, Desperation), der seine destruktive Energie den Menschen aufzwingt. Diese Verlagerung des Bösen nach außen nimmt der Geschichte etwas von ihrer Wirkung.
Denn der äußere Einfluss bezeichnet stets den inneren geistigen Zustand. In den Erzählungen von Algernon Blackwood, einem frühen Meister des Horrors und Vorläufer Lovecrafts, liest man von verfluchten, dunklen Gebäuden, an denen der Protagonist seinen Verstand verliert. Doch liest man genauer, erkennt man, dass der Wahn bereits im Geist des Protagonisten angelegt ist und das Haus als Sinnbild seines Inneren dient. Das kennt man auch aus anderen Erzählungen: Spukt es auf dem Dachboden (im Oberstübchen sozusagen), handelt es sich weniger um einen Geister-Problem, als um ein geistiges Problem.
Das zeigt der Film Shining durch einen besonderen Trick: Jacks Manuskript, an dem er den ganzen Aufenthalt über gearbeitet hat, besteht nur aus einem einzigen, endlos wiederholten Satz. Der Wahnsinn ist also inherent und wurde nicht durch das Hotel verursacht. Im Buch wird immer wieder angedeutet, dass er schon vorher zerstörerisches Potential hat – doch zum Ende hin wird Jack nurmehr zur Hülle, die vom Hotel gesteuert wird. Das Böse wird dadurch einer äußeren Entität zugeordnet und Jack wird seiner Schuld entbunden. Das läuft nicht nur dem Spannungsaufbau zuwider, das ist ein äußerst zahmes Ende für ein großes Buch.

Neben dem Buch ist auch das Hörbuch sehr zu empfehlen (hier ungekürzt auf Spotify zu finden), eine Inszenierung, die nichts an Pathos vermissen lässt und so lebendig und eindringlich von Dietmar Wunder gelesen wird, dass man sich mitten in der Handlung wähnt.

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