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Feminismus und Fantasy: Die Königsmörder-Chronik

Werke aller Art auf sexistische Tendenzen zu untersuchen ist eine gute Sache. Öffentliche Werke müssen für Kritik zugänglich sein, das hat insbesondere bei Büchern eine lange und lebhafte Tradition. Ein kritischer Austausch macht die tiefergehende Auseinandersetzung mit einer Geschichte erst möglich und zeigt bislang verborgene Aspekte auf.

An dieser Stelle widme ich mich dem Genre Fantasy, das sicher nicht unproblematisch ist, was unterschwelligen Sexismus angeht. Fantasyliteratur spielt oft vor einem idealisierten mittelalterlichen Hintergrund. In einem solchen Umfeld müssen sich weibliche Figuren meist männlichen Vorstellungen beugen und haben sehr wenig Handlungsspielraum. Doch gerade in einem Kontext, der scheinbar wenig Raum für weibliche Entfaltung lässt, trumpfen unkonventionelle, interessante Frauencharaktere auf, die um ihre Selbstbestimmung kämpfen.

Kritik an Patrick Rothfuss

falkeEines der Werke, in denen man komplexe und eigenständige Frauen findet, ist Der Name des Windes von Patrick Rothfuss und sein Nachfolger Die Furcht des weisen Mannes. Diese beiden Bände, Teile der Königsmörder-Trilogie, werden allerdings kontrovers diskutiert. Nicht alle Leser sind der Meinung, dass der Autor Patrick Rothfuss den weiblichen Figuren Genüge tut. In diesem Artikel möchte ich die Darstellung von Frauen in der Reihe genauer untersuchen und mich mit einem Artikel auseinandersetzen, der die Bände als sexistisch ansieht.

Ich werde im Folgenden einige Auszüge aus diesem Beitrag und meine Antworten dazu teilen. Noch eine letzte Warnung: Der Artikel enthält einige milde Spoiler, also wäre es keine schlechte Idee, die Bücher zuerst zu lesen. Für einen Überblick über den Inhalt empfehle ich die Seite von Klett-Cotta oder die englische Seite des Autors.

Inhalt: Tokenism | Male Gaze | Einvernehmliche Sexualität | Orgasm Gap | Matriarchat | Sexismus-Faustregeln

1. Tokenism (die Praxis, Minderheiten nur der Political Correctness wegen miteinzubeziehen)

Das Argument:

“There are several strong female characters with whom Kvothe forms friendships, and this is a positive, healthy aspect of the books. Hespe the mercenary and Sheyn [sic!] the teacher are great examples. These strong female characters seem scattered around, one in each of the many groups Kvothe interacts with. It may be a form of tokenism.”

kvotheDieser Kommentar zeigt sehr richtig, dass viele gut ausgearbeitete und unabhängige Frauenfiguren vorkommen, die Liste ist lang.

Kvothes Begegnungen mit Frauen sind von Respekt und Bewunderung geprägt: Angefangen bei seiner Mutter über seine Kommilitoninnen Auri, Fela und Mola, die Wucherin Devi, die angehende Musikerin Denna bis hin zum Feenwesen Felurian beschreibt Rothfuss durchweg einzigartige und spannende Frauen. (Und dies ist nur eine kleine Auswahl.)

Es stimmt, dass außerhalb der Universität Frauen in der Gesellschaft weniger sichtbare Rollen einnehmen, und selbst im Arkanum, der Universität, sind sie Vorurteilen ausgesetzt. Doch der Vorwurf des Tokenism ist leicht zu wiederlegen, wenn man sich Kvothes Zeit in Ademre anschaut.

Besonders will ich hier Shehyn, Vashet und Celean hervorheben, die Frauen, denen Kvothe in Ademre begegnet. Der Vorwurf, diese Figuren wären lediglich als starke “Quotenfrauen” in der Geschichte platziert, erscheint absurd, wenn man bedenkt, dass Kvothe dort fast nur mit Frauen interagiert. Die meisten der Bewohner sind in der Kampfkunst Ketan geschult, deren Lehren sich ebenfalls auf eine Frau gründen.

Seine Zeit in Ademre verändert Kvothes Frauenbild nachhaltig, denn die dortige Gesellschaft ist Teil eines Matriarchats, das unbeeinflusst von den patriarchalischen Nachbarländern existiert.

bogenIn dieser Gesellschaft werden die Männer keineswegs unterdrückt – Männer und Frauen leben gleichberechtigt miteinander – aber die Kraft, Kinder zu gebären und somit neues Leben zu schaffen, liegt nur bei den Frauen. Männer haben daran, so die Überzeugung der Adem, keinen Anteil. Damit ist nach Richard Festers Weib und Macht ein wichtiger Faktor für eine matriarchalische Gesellschaft gegeben. Dass der Kritik die starken weiblichen Figuren so verstreut erscheinen, ist interessant. Denn ich hatte das Gefühl, dass diese Figuren vielmehr so präsent und einflussreich sind, dass sie großen Einfluss auf den Hauptcharakter ausüben.

Vashet etwa ist eine sehr prägende Figur für Kvothe – als Lehrerin bleibt sie für ihn eine wichtige Respekts- und Bezugsperson, die ihn fördert, wo ihm sonst niemand eine Chance gegeben hätte. Doch sie lehrt ihn nicht nur das Kämpfen, vor allem lehrt sie ihn Demut: Anfangs unterliegt er im Kampf sogar der zehnjährigen Celean, woraufhin er sich in seiner Stärke und Männlichkeit verletzt fühlt, doch bald wird ihm klar, dass sie trotz ihres Alters eine ernstzunehmende Kämpferin ist:

“This time I was ready, and I knew what Celean was capable of. She was no sort of delicate flower. She was quick and fearless and aggressive.”

Schon dieses junge Mädchen tritt mit einem Selbstverständnis auf, das sich aus ihrer Mutterlinie speist:

“I am Celean,” she proclaimed. “My mother is of the third stone. I am Adem born, and I am the one who will throw you to the ground.” She was as good as her word.

Male Gaze | Einvernehmliche Sexualität | Orgasm Gap | Matriarchat | Sexismus-Faustregeln

2. Der male gaze

Das Argument:

Here’s a fun passage where Fela, a female character, justifies the male gaze:“There’s looking and there’s looking. When some men look at you it’s a greasy thing. It makes you want to have a bath. With other men it’s nice. It helps you know you’re beautiful.”So some women get a self-esteem boost when non-creepy men show approval of their appearance. It’s just a hop, skip and jump from there to a place where women only get self-esteem from men’s approval. That’s how the male gaze gives men power over women. But women are more than pretty scenery. Their bodies are not there to appeal to men’s sense of aesthetics. Their bodies are there because they have people inside of them who have things to do. That should not have to be said. That’s why justifying the male gaze is offensive, and putting those words inside a female character is insidious.

musikEinerseits stimme ich dem zu. Der sogenannte male gaze ist problematisch und macht Frauen zu Objekten. Doch rechtfertigt Fela hier den male gaze? Sie spricht davon, dass, sie sich schmutzig und degradiert fühlt, wenn manche Männer sie ansehen.

Was macht den male gaze nun aus? Ist es ganz allgemein der Blick eines Mannes auf eine Frau, ist es etwa jeder Blick eines Mannes auf eine Frau? Das kann nicht sein, denn es spricht Männern die Fähigkeit ab, eine andere Person (egal welchen Geschlechts) auch als solche wahrzunehmen. Sexuelle Wahrnehmung ist im Übrigen nicht gleichbedeutend mit einer Sexualisierung.

Der entscheidende Punkt hier ist Gegenseitigkeit. Fela beschreibt einerseits den objektifizierenden male gaze, den man nicht entschuldigen kann. Doch sie trifft eine klare Unterscheidung: “There’s looking and there’s looking.” Ein “looking”, bei dem der Respekt gewahrt wird und bei dem sie die (Deutungs-)Hoheit über den eigenen Körper behält. Rothfuss selbst hat einen Internetcomic geteilt, der den Unterschied mit folgendem Satz gut veranschaulicht:

“If the person being ‘looked at’ or sexualised, has the power in the situation, they are sexually empowered.

Felas Ausspruch ist ohne den Kontext nicht vollständig wiedergegeben, denn Fela führt ihre Beobachtungen weiter aus:

“But with Kvothe it’s different. He’s so serious about it. When he looks at you, you can tell his whole attention is focused on you.”

Das ist ein Blick, der den ganzen Menschen einbezieht, und ihre Aussage “It helps you know you’re beautiful”, erscheint dadurch in einem anderen Licht.

Tokenism | Einvernehmliche Sexualität | Orgasm Gap | Matriarchat | Sexismus-Faustregeln

3. Einvernehmliche Sexualität

Das Argument:

Es gibt eine Sexszene zwischen Kvothe und der Adem-Lehrerin Vashet:

“The whole idea seemed to me like the set-up for a hot-for-teacher porno, an irrelevant scene inserted into the novel to titillate male readers. My biggest objection is that the idea that men are unable to concentrate or accomplish anything once arroused, and that they need periodic release in order to function, contributes to rape culture. Men who feel entitled to sex and helpless without regular intercourse have the attitudes of a potential rapist.”

Ein freier Umgang mit Sexualität ist nicht notwendigerweise eine Männerfantasie. Im Gegenteil – es entspricht der sozialen Realität in vielen Matriarchaten, wo keine sexuelle Sanktionierung der Frau gegeben ist:

“Die größere sexuelle Freiheit des herrschenden Geschlechts gilt […] auch unter Gynaikokratie. Die Frau ist auch nach der Eheschließung noch frei in der Partnerwahl, und sie verfügt hinsichtlich der Hervorbringung von Nachwuchs relativ souverän über ihren Körper.“

(Richard Fester, Weib und Macht: Seite 13)

raubDer andere Kritikpunkt ist schon diffiziler. Geht es darum, dass Männer, wenn sie erregt sind, sofortige sexuelle Befriedigung brauchen, um zu funktionieren? Ich frage mich, ob das ein grundlegendes, strukturelles Problem im Kvothe Universum ist. Oder ob es hier um einen Siebzehnjährigen geht, der von körperlicher Nähe leicht erregt und daher abgelenkt ist. Das ist ein hormonelles “Problem”, das niemandem fremd sein sollte, der eine Libido besitzt.

Inwiefern ein Entitlement, also ein sexuelles Anspruchsdenken gefördert würde, ist mir im Buchkontext unerklärlich, da Vashet Initiatorin der sexuellen Handlung ist und sich keineswegs als Objekt zur Verfügung stellt. Denn in der Adem-Kultur basiert Sex ausschließlich auf beiderseitigem Einvernehmen. Insofern ist auch die sexuelle Freizügigkeit der Gesellschaft kein Ergebnis einer männlichen Fantasie, sondern leitet sich aus dem fehlenden Zusammenhang zwischen dem Gebären von Kindern und dem Sexualakt ab:

“Die Frau [verfügt] über unbegrenzte Reserven an Lebenskeimen [und wird] zu gegebener Zeit Nachwuchs hervorbringen”

(Richard Fester, Weib und Macht: Seite 13)

Im Buch erklären es die Frauen der Adem so:

“Sometimes a woman ripens. It is a natural thing, and men have no part in it. That is why more women ripen in the fall, like fruit.”

Tokenism | Male Gaze | Orgasm Gap | Matriarchat | Sexismus-Faustregeln

4. Orgasm Gap (Orgasmus-Gefälle)

Das Argument:

“Even beyond issues of whether or not women are more likely to get raped in a society that encourages casual sex (probably), or whether they prefer long-term relationships more often than men (I think they usually do), there’s such a thing as an orgasm gap. In casual encounters men have more orgasms than women do. Of course, in a culture with no shame attached to sex and no nudity taboo, some of the cultural roots of the orgasm gap might shrivel up, but because of Rothfuss’s polite vagueness and his lack of desire to write erotica (sincere thanks, Pat), we don’t know whether or not these trysts have an equitable distribution of pleasure. If the purpose of Vashet’s sex with Kvothe was relieving his arrousal, and her pleasure is not mentioned, it seems likely that she simply services him, with no reciprocity. How liberated.”

Die Kritikerin hat hier offenbar das Buch nicht genau gelesen und was sie gelesen hat in weiten Teilen nicht verstanden. Das ist in diesem Fall nun wirklich keine Frage der Interpretation, sondern lässt sich anhand von vielen Textbeispielen widerlegen. Beziehungen und Sex werden von dem Adem strikt getrennt und Vergewaltigung dürfte kaum ein Thema sein – nicht nur sind beide Geschlechter ausgesprochen wehrhaft, schon die Übertragung einer Geschlechtskrankheit führt zu gesellschaftlicher Ächtung.

Die Adem-Kämpferin Penthe findet dafür klare Worte:

“If one of Ademre were to give me a disease, I would be furious. I would shout from the top of a cliff what they had done. I would make their life as painful as a broken bone.”

frauWie sehr muss dann nicht einvernehmlicher Sex geächtet werden, wenn (sexuelle) Freiheit doch ein derart hohes Gut ist – und dazu gehört selbstverständlich die Freiheit, nein sagen zu können. Die Theorie eines Orgasm gap halte ich ebenfalls für weit hergeholt, denn in einer Kultur, in der Frauen frei von Stigma ihre sexuellen Wünsche äußern können, dürfte es keinen Orgasm Gap geben.

Zu den Begegnungen zwischen Vashet und Kvothe steht im Buch: „[Kvothe] never initiated [the encounters] directly“, die Initiative geht von der Frau aus, und „[he] was far from anxious. Vashet seemed to enjoy herself as well.“ Und auch Penthe sagt an einer späteren Stelle:

“All things have anger,” she repeated with a shrug. “A stone does not have much compared to a budding tree. It is the same with people. Some have more, or less. Some use it wisely. Some do not.” She gave me a wide smile. “I have a great deal, which is why I am so fond of sex and fierce in my fighting.”

Tokenism | Male Gaze | Einvernehmliche SexualitätMatriarchat | Sexismus-Faustregeln

5. Matriarchat

Das Argument:

“Apparently a cultural quirk of the Adem is that they do not believe that men have any part in making babies. They are human and reproduce normally; they just have a faulty understanding of biology because their extreme promiscuity seems to have prevented them from ever seeing a causal relationship between sex and pregnancy. This view is portrayed as disempowering for men, because they are seen as incapable of leaving a legacy in this world. But it also creates an entire nation of single mothers. No social support for mothers is mentioned. What a horrible situation for women. Kvothe, the foreigner, is the only one who brings up any form of birth control, so it makes no sense that the Adem women are not pregnant all the time with babies they will have to raise alone. Men, on the other hand, are blithely free from all responsibility.”

Allein der Begriff der alleinerziehenden Mutter ist von unserem heutigen gesellschaftlichen Verständnis geprägt, ohne andere Lebensweisen in Betracht zu ziehen. Richard Fester schreibt über heutige Matriarchate, dass in manchen Fällen die Männer für die Pflege der Neugeborenen verantwortlich sind und in anderen die gesamte Sippe der Mutter die Kindererziehung übernimmt:

wald“Andere Systeme haben ein enges Zusammenleben der Frauensippe entwickelt, in die die Kinder hin- eingeboren und in deren Gemeinschaft sie aufgezogen werden. Dabei wird dem Mann kein Platz eingeräumt, er lebt außerhalb und kommt nur auf Besuch.”

(Weib und Macht: Seite 13)

Also von wegen alleinerziehend!

Es geht hier nicht darum, das Mutterrecht der Adem als angestrebte Utopie darzustellen, denn tatsächlich kommt hier dem Mann keine schöpferische Leistung in Bezug auf seine Kinder zu. Doch sie sind nicht in allen matriarchalischen Gesellschaften von der Erziehung ausgenommen. Erbfolge und Herkunft werden über die Mutter bestimmt, aber auch wenn der Mann seine leiblichen Kinder nicht als blutsverwandt ansieht, so doch laut Fester die Kinder seiner Schwester, zu denen ein anerkanntes(!) Verwandtschaftsverhältnis besteht. Wie es sich also mit der Rolle der Adem-Männer bei der Kindererziehung verhält, wissen wir schlicht nicht.

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6. Sexismus-Faustregeln

Das Argument:

The series probably doesn’t pass the Bechdel test, but it’s typically hard for a book with a first person male narrator to do that. […] [The Bechdel test is a] useful way to examine sexism in media.

Ein letztes noch zu Sexismus-Faustregeln wie dem Bechdel oder Mako-Mori-Test. Sie beziehen sich eigentlich auf die Filmkritik, aber lassen sich auch auf Bücher anwenden.

Jedoch ist die Bezeichnung Test irreführend, da sie keine eindeutigen Antworten geben können – ohne genaue Betrachtung des Kontexts sind sie nur wenig aussagekräftig. Daher sind sie eher als Werkzeuge zu verstehen, mit denen man sich einer Fragestellung annähern kann, aber kein Ersatz für eine genaue inhaltliche Analyse.

Der Bechdel-Test ist da eher unpräzise, daher beziehe ich mich hier auf den Mako-Mori-Test, dessen Ansatz etwas differenzierter ist. Er stellt zunächst die Frage, ob

1) überhaupt weibliche Charaktere vorkommen. Wenn ja, haben sie

2) eine eigene Narrative und

3) unterstützt diese nicht nur die Geschichte eines männlichen Charakters?

achterbahnZweifellos gibt der Test gute Anhaltspunkte, doch ohne Kontext sind sie so gut wie wertlos, da sie sonst nur an der Oberfläche kratzen.

Ein Beispiel: An Dennas Charakter zeigt sich, dass sie als Mensch dargestellt wird, nicht als Motivation oder Belohnung für den Protagonisten. Sie verfolgt ihre eigene Agenda und ist kein Preis für Kvothes harte Anstrengungen; sie entzieht sich den Erwartungen, die der Leser an sie stellt. Sie hat ihre eigene Geschichte, doch in weiten Teilen bleibt sie Kvothe (noch) verborgen. Aus seiner begrenzten Perspektive erschließen sich ihm nur Teile davon. Ihre Narrative wird also nicht übergangen, sondern sie verläuft unterschwellig und es gibt in den Büchern nicht wenige Hinweise, dass sie eine entscheidende Rolle im ausstehenden dritten Band spielen wird.

Auch die Frauen der Ademre haben eigene Geschichten – ihre Welt ist kein Potemkin’sches Dorf, das nur für Kvothes Zwecke dort existiert. Die Geschichte dieser matriarchalischen Gesellschaft scheint deutlich durch; man merkt, mit welch großer Liebe zum Detail der Autor komplexe Hintergründe erarbeitet hat. Natürlich sind Kvothes Erlebnisse dort stark geprägt von diesen Frauen.

Unterstützen sie dadurch seine Geschichte? Ja. Ist das deshalb sexistisch? Eher im Gegenteil, bei Werken mit männlichen Hauptcharakteren ist der Mako-Mori-Test leider sehr unpräzise. Man müsste dafür mindestens ein weiteres Kriterium einführen:

Nehmen die Frauen Einfluss auf den Lauf der Geschichte und auf die Handlungen des männlichen Hauptcharakters?

Hier kann die Antwort nur ein entschiedenes Ja sein – sie verfolgen eine eigene Agenda und beeinflussen Kvothe entscheidend. Und das macht sie zu lebensechten weiblichen Charakteren. Das trifft durchweg auf die Frauen der Königsmörder-Chronik zu (und übrigens auch auf die Männer).

Tokenism | Male Gaze | Einvernehmliche Sexualität | Orgasm Gap | Matriarchat | Sexismus-Faustregeln

Anmerkung

Bei den Zitaten aus Rothfuss’ Buch habe ich aus der englischen E-Book-Ausgabe zitiert, daher sind keine Seitenzahlen angegeben.

5 comments
  1. Gun2056

    Schön argumentiert. Mach doch mal eine Analye bezüglich des Sexismus im „Rad der Zeit“, wenn du Lust hast. Würd mich wirklich interessieren.
    Die bestehenden Artikel dazu sind sind… naja sagen wir mal, ich hab mich gefragt, ob da jemand durchweg ironisch geschrieben hat.

  2. Wiyana

    Danke für den sorgfältig ausgearbeiteten und recherchierten Artikel!
    Ademre halte ich durchaus für bedenkenswert beim Suchen nach neuen Formen, achtsam mit Sexualität umzugehen in einer Welt, wo viele von „Treue“ leben und an ihren eigenen Vorstellungen davon scheitern …

    1. LesenistGold

      Vielen Dank, es freut mich, dass du das ähnlich siehst. Das Selbstverständnis, mit dem die Frauen in Ademre ihre Sexualität bestimmen, habe ich so in kaum einem Fantasyroman gelesen. Gerade lese ich den Dämonenzyklus von Peter V. Brett und dort, wie in vielen anderen Fantasyreihen auch, fällt mir auf, dass Sex von Frauen fast ausschließlich als Waffe eingesetzt wird, nicht zum eigenen Vergnügen. Das halte ich für eine recht bedenkliche Darstellung.

  3. Frau Pixel

    Wow, ein toller und kritischer Artikel. Ich bin ganz froh über das Ergebnis deiner Betrachtung, ich denke dass es im Bereich Fantasy eher schlimmere Vetreter in Sachen Sexismus gibt. Es ist schon interessant, solche Themen immer wieder zu reflektieren, während man als Leser einfach nur urteilt nach „hat mir gefallen“ und „hat mir nicht gefallen“.

    1. LesenistGold

      Dankeschön :) Der Artikel entstand, als ich eigentlich über Geprge R. R. Martins Frauenfiguren schreiben wollte, bei der Recherche aber auf einige Artikel zu „Name of the Wind“ stieß und mich so über die einseitige Darstellung geärgert habe, dass ich mich eingehend damit auseinandersetzen musste.

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