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Geburt und Wiedergeburt in Alien IV: Resurrection

Über Feminismus in den Alien-Filmen wurde bereits viel geschrieben, aber diese Texte beziehen sich häufig auf Teil I und II dieser Filmklassiker, Alien und Aliens. Doch ich bin der Meinung, dass der vierte Film – Resurrection – nicht vernachlässigt werden sollte, da er eine entschieden feministische Botschaft vermittelt. Nicht jeder mag diesen Film – aber zumindest die schauspielerische Leistung von Ron Perlman und Winona Ryder sollte man sich nicht entgehen lassen.

Zu Beginn des Filmes wird der Zuschauer Zeuge von Experimenten an Aliens, ausgeführt durch die militärische Organisation United Systems Military, die sich wie eine Karikatur der katholischen Kirche ausnimmt. Ein Männerverein, der in langer schwarzer Kleidung ein bedrohliches Bild abgibt und die geklonte Ripley dazu zwingt, ein Alien-Baby gegen ihren Willen auszutragen.

Weibliche Fortpflanzung wird dämonisiert

Muttersein spielt in allen Alien-Filmen eine große Rolle, doch nirgends so deutlich, so überzeichnet, wie in diesem. Geburt und Wiedergeburt ziehen sich als zentrales Thema durch den Film – zugleich wird die weibliche Fortpflanzung dämonisiert. Ganz bildhaft sogar, denn Ripley ist nicht der einzige Klon, den UMS aus dem Genmaterial der Original-Ripley erstellt hat. Doch die vorhergegangenen sieben Klone sind defekte Zerrbilder, Monster. Die Wissenschaftler haben damit in einem Frankenstein’schen Versuch, natürliche Reproduktion auszuhebeln, Frauen erschaffen, die nicht lebensfähig sind. Diese deformierenden Experimente sind exemplarisch für die Unterdrückung der Frau durch ein Patriarchat, das die Geburt zur Sünde erklärt hat.
Es ist eine hochemotionale und kathartische Szene, als Ripley den Flammenwerfer auf diese Kreaturen richtet, um ihre Qual zu beenden – doch der hartgesottene Johner (hervorragend gespielt von Ron Perlman), versteht die symbolische Bedeutung dieses Akts nicht. “Must be a chick thing” – Ist wohl ‘ne Frauensache, sagt er achselzuckend.

„Ist wohl Frauensache“

Dem Patriarchat wird zu guter Letzt doch das Handwerk gelegt – von zwei Frauen, die eigentlich gar keine sind, doch davon später. Als die Androidin Call (Winona Ryder) sich in den Hauptcomputer des Schiffs Auriga einhackt, der den bezeichnenden Namen Father trägt, benutzt sie dazu einen als Bibel getarnten Zugang (noch so eine nicht gerade dezente Anspielung auf Katholizismus und patriarchalische Machtstrukturen). Der Override des Computers ist erfolgreich und ihr Triumphschrei Father’s dead, asshole ist einer der ikonischsten Momente des Films.

Diese Frauen setzen sich durch ihre bloße Existenz gegen ihre gesellschaftliche Bestimmung zur Wehr

Doch um die Kontrolle über den Computer zu erlangen, musste die Androidenfrau ihren hart erkämpften Anschein von Menschlichkeit aufgeben. Für die anderen ist sie nur ein Toaster, eine Maschine ohne Gefühle. Als Mensch, als Frau, unzureichend, weil sie sich nicht fortpflanzen kann. Für patriarchalische Gesellschaften sind ebensolche Frauen die größte Gefahr, weil sie sich durch bloße Existenz gegen ihre gesellschaftliche Bestimmung zur Wehr setzen. Ripley wehrt sich ebenfalls, doch sie zeigt das andere Extrem: eine Frau, deren schöpferische, reproduktive Kraft so lange beherrscht und deformiert wurde, bis sie sich in einem brutalen, gewalttätigen Aufbäumen Bahn bricht – in Form ihres Alien-Kindes.

Doch dieses neugeborene Alien-Wesen darf so nicht existieren, es ist zu sehr Produkt von Unterdrückung und birgt ein zu großes zerstörerisches Potential für die gesamte Menschheit. Der Moment seines Todes durch die eigene Mutter ist eine der eindrücklichsten Szenen des Filmes: Ripley erkämpft sich die Hoheit über den eigenen Körper, die eigene Schaffenskraft, wieder zurück, doch sie zahlt einen hohen Preis dafür. Die female guilt, also das Schuldgefühl, dem Muttersein zu entsagen, spürt auch sie und dennoch ist es letztendlich ein Akt der Befreiung.

Außer Call und Ripley überleben übrigens auch Johner und Vriess, zwei Männer, die nicht unbedingt dem klassischen Heldenbild entsprechen – Vriess, der gelähmt ist und Johner, der ein bisschen tumb wirkt und von sich selbst sagt, dass er außer Töten nicht viel draufhat. Zwei gezeichnete Männer und zwei gezeichnete Frauen überleben. “We did it … we saved the earth” – Wir haben es geschafft … wir haben die Erde gerettet, ist der letzte Satz des Filmes.

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