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Wer hat Angst vor Drachen?

bücherFantasy ist kein junges Genre, die Ursprünge lassen sich sehr weit zurückverfolgen, mindestens bis aber bis zur Romantik, in der das Entrückte und Übernatürliche ein Gegengewicht zum Rationalen und zum technischen Fortschritt darstellt. Das Unbewusste verbirgt sich in dunklen Winkeln, schattigen Hainen und der wilden Natur. Noch haftet dem Genre der Beigeschmack des Eskapismus an, noch haben viele Menschen „Angst vor Drachen“, wie die Autorin Ursula Le Guin in The Language of the Night schreibt, und verbannen sie deshalb in Kinderbücher und Märchen. Einer der zentralen Sätze des Buches warnt davor, Drachen mit dem Erwachsenwerden zu vergessen:

„Those who refuse to listen to dragons are probably doomed to spend their lives acting out the nightmares of politicians. We like to think we live in daylight, but half the world is always dark; and fantasy, like peotry, speaks the language of the night.“

Die Nachtseite ist ebenso essentiell wie die Tagseite, sie zu unterdrücken wäre folgenschwer. Le Guin, die selbst Fantasy schreibt, ergründet in ihrem Buch die Feinheiten von phantastischen Erzählungen, die oftmals in tiefes Fahrwasser führen – als Jungianerin sieht sie die verborgenen Dimensionen von Geschichten, die auf den ersten Blick einfach, ja geradezu simpel wirken. Doch gerade dem scheinbar Offensichtlichen liegen grundlegende Komponenten zu Grunde, die das menschliche Sehnen und Streben versinnbildlichen.

Bild: Google Books
Bild: Google Books

Das Buch enthält eine lose Sammlung von Essays, die sich von verschiedenen Seiten der Phantastik annähern und weniger analytisch als lyrisch vorgehen. Dennoch sind sie mehr als bloße Schwärmerei, sie ergründen die Faszination der Geschichten, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ereilt. Dass Geschichten ein Grundbedürfnis sind, ist auch eines der großen Themen der Phantastik. Geschichten ziehen Geschichten an, winden sich spiralförmig ineinander und schaffen so Meta-Ebenen, die zu ergründen ein großes Abenteuer ist. Le Guin schreibt, Geschichten seien die ersten Werkzeuge des menschlichen Geistes, sie stellen einen Sinnzusammenhang zwischen dem Menschen und seiner Umwelt her. Es gab große Kulturen, die ohne das Rad auskamen, schreibt sie, aber keine, die nicht Geschichten erzählten.

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