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Das Aion – Fantasy trifft auf Sci-Fi

Michael Marraks Roman „Das Aion – Kinder der Sonne“ ist eine Reise in eine dystopische Zukunft. Mit seinem Buch stellt sich der Autor mitten ins Kreuzfeuer, denn die Vereinbarkeit von Fantasy und Science Fiction ist ein vieldiskutiertes Thema. Nicht nur ist es immens schwierig, überhaupt eines der beiden Genres zur Genüge zu definieren, weil es eine so große Bandbreite an Themen und Geschichten gibt; man nahm auch lange Zeit an, dass Fantasy und Science Fiction sich gegenseitig ausschließen müssten. Für den Literaturwissenschftler Darko Suvin lag der Grund dafür auf der Hand:

Fantasywelten sind nicht logisch erfahrbar
Bild: marrak.de

Die innere Struktur eines Fantasy-Romans basiert darauf, dass seine Welt nicht logisch erfahrbar ist, sondern magischen Gesetzmäßigkeiten folgt. Bei einem Sci-Fi-Abenteuer erwartet der Leser jedoch, dass zwar keine realen, aber technisch plausiblen (wenn auch teilweise extrem unwahrscheinlichen) Umstände beschrieben werden.

Die Gegenüberstellung von kaltem, technisiertem Fortschritt und lebendiger, pulsierender Magie ist es jedoch, die „Das Aion“ so lesenswert machen. Erst nach mehreren Kapiteln wird dem Leser klar, dass er sich nicht etwa in einem fernen Fantasy-Universum befindet, sondern auf der Erde, die nach verheerenden Sonnenstürmen von katastrophalem Ausmaß kaum wiederzuerkennen ist.

Die dortige Gesellschaft ist zweigeteilt, es gibt die technologisch hoch entwickelten Alphas, die genetisch den heutigen Menschen entsprechen. Und dann gibt es die Betas, deren rudimentäre Zivilisation auf Jagd und Ackerbau beruht und deren genetischer Code eine auffällige Mutation aufweist. Sie sind schnell, stark und ausdauernd und zudem resistent gegen die tödliche Sonnenstrahlung, die die Weltbevölkerung von vielen Jahren auf ein Bruchteil reduzierte.

Das Aion ist eine urtümliche Naturkraft, die den Ursprung des Lebens verkörpert

Schon in der Gesellschaftsordnung zeigt sich die unsichere Position des Menschen zwischen Fortschritt und Rückbesinnung auf seine Umwelt. Die Technik, die sich in den Zeiten der Sonnenstürme als so fragil erwiesen hat, verleiht den Alphas einen vermeintlichen Vorsprung, doch es ist das Beta-Mädchen Mira, dem eine große Aufgabe zuteil wird. Das Aion, eine urtümliche Naturkraft, eine Wassergewalt, die den Ursprung des Lebens an sich verkörpert, ruft Mira zu Hilfe. Alles Leben in der kargen Wüstenwelt hängt vom Wasser ab, doch eine außer Kontrolle geratene künstliche Intelligenz durchdringt Schritt für Schritt das fein gewobene Netz der Naturkraft.

Dieses Magische lässt sich eher der Fantasy zuordnen, aber wenn man einen Blick auf Marraks Interessengebiete wirft, wird diese Vermutung zumindest zum Teil relativiert. Kryptobotanik nennt sich die Wissenschaft, die sich mit mystischen und fast vergessenen Pflanzen(-Wesen) beschäftigt, die als nicht existent gelten. Wäre das Aion also primär in der diesseitigen Welt verhaftet, als vergessene (aber durchaus wissenschaftlich erklärbare) Naturanomalie, bliebe der Sci-Fi-Aspekt des Romans gewahrt. Dennoch bedient sich der Autor zahlreicher Fantasy-Themen und nicht zuletzt das Cover deutet auf die Vermarktung als Fantasy-Reihe hin.

Doch abseits von diesem interessanten Genre-Konflikt, an dem nicht wenige Autoren gescheitert sind, ist das erste Buch der Aion-Reihe unterhaltsam und spannend. Differenziert und mit einer Portion Humor schickt Marrak seine Protagonistin mit einigen skurrilen Kumpanen auf eine Reise, die geschickt zwischen den Genres balanciert, zuweilen auch überzeichnet, aber nicht langweilt.

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